7 verbreitete Mythen über Stressbewältigung am Arbeitsplatz.

 
Mythen über Stress am Arbeitsplatz
 
 

Du kennst es wahrscheinlich: Egal, wen du fragst - alle sind auf der völlig Arbeit gestresst! 🤯

Und neben den ganzen persönlichen Problemen, die dadurch entstehen, entstehen durch gestresste Mitarbeitende natürlich auch massive Nachteile für Arbeitgeber:

Vermehrte Ausfälle und längere Krankmeldungen, steigende Unzufriedenheit, geringere Leistungsfähigkeit, miese Stimmung und im schlimmsten Fall sogar mehr Kündigungen. So entsteht noch mehr Stress für die Mitarbeitenden und wir landen ziemlich schnell in einem Teufelskreis… 👹🔄

Zugegeben: Unsere Gehirne sind nicht dafür gemacht, in unserer heutigen Arbeitswelt gut zu funktionieren. Zu viele To Do’s gleichzeitig, zu enge Timings, zu viele Ablenkungen… Doch das heißt nicht, dass wir dem hilflos ausgeliefert sind und wir diese neue Arbeitsrealität halt so hinnehmen müssen. 

Warum aber tun bisher nur wenige Arbeitgeber etwas dafür, ihr Arbeitsumfeld weniger stressig zu gestalten? 🤔

Lass uns mal gemeinsam einige der weit verbreitetsten Mythen über Stressbewältigung am Arbeitsplatz anschauen. Und gleichzeitig sehen, wo die Möglichkeiten liegen, unser Arbeitsumfeld weniger stressig zu gestalten.

 

Mythos 1: Stressbewältigung ist allein die Verantwortung der Mitarbeitenden.

Eine weit verbreitete Meinung ist, dass Stress am Arbeitsplatz allein Privatsache der Mitarbeitenden ist und es damit nicht in der Verantwortung des Arbeitgebers liegt, etwas dagegen zu unternehmen. Als Mitarbeiter*in wird man oft noch mit dem Problem allein gelassen bzw. traut sich nicht das Thema beim Chef offen anzusprechen. 🤐

Was stimmt: Es ist tatsächlich persönlichkeitsabhängig, wie stark der oder die Einzelne unter Stress leidet bzw. wie resilient er oder sie ist.

Nichtsdestotrotz ist es am Arbeitsplatz so, dass die Umgebungsfaktoren, wie Prozesse, Workload und auch die Kultur, entscheidenden Einfluss darauf haben, wie stark die Mitarbeitenden Stress eigentlich ausgeliefert sind. 

Und von daher ist der Arbeitgeber absolut in der Verantwortung, eine möglichst gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Mitarbeitende sich nicht kaputt arbeiten oder Maßnahmen zur Stressbewältigung anzubieten.

Arbeitgeber haben auch eine Fürsorgepflicht und dazu gehört es eben auch, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die den Mitarbeitenden nicht schadet.

 

Übrigens: Melde dich unbedingt zu meinem >> Mindful-Work Letter an!

Ich schicke dir dort regelmäßig tiefgreifende Impulse und exklusive Angebote zum Thema Stressbewältigung und Achtsamkeit am Arbeitsplatz! 📨


Mythos 2: Stressbewältigung ist allein die Verantwortung des Arbeitgebers.

Ein häufiger Mythos, der bei den Mitarbeitenden weit verbreitet ist. Aber auch hier ist es nicht ganz so schwarz und weiß. Als Angestellte machen wir es uns gerne leicht, indem wir unseren Arbeitgeber für alle Miseren am Arbeitsplatz verantwortlich machen. 

Der Workload ist zu hoch? Der Chef ist Schuld. Ich werde ständig abgelenkt? Die Kollegen sind schuld. Das Timing ist zu knapp? Der Kunde ist schuld. 

Was dadurch passiert? Wir machen unsere emotionale Verfassung komplett von anderen und den äußeren Bedingungen abhängig. Das führt dazu, dass wir uns völlig fremdbestimmt fühlen und glauben, nichts ändern zu können. 

Doch das Gegenteil ist der Fall: Auch am Arbeitsplatz hat der einzelne Mitarbeitende selbst Einfluss darauf, wie er seine Arbeitsweise gestaltet und mit den Dingen um sich herum umgeht. Und was oft vergessen wird: Ändert eine Person ihr Verhalten, hat dies einen positiven Abstrahleffekt auf die Menschen in ihrer Umgebung. Dadurch wird eine positive Kettenreaktion in Gang gesetzt - der sogenannte Ripple-Effekt.

Das heißt: Je mehr Mitarbeitende lernen, besser mit Stress umzugehen, desto stärker wird sich das auf den gesamten Arbeitsplatz auswirken.

 

Mythos 3: Ein Stressmanagement Workshop wirds richten.

Wenn im Unternehmen die Einsicht gereift ist, dass Stress reduziert werden sollte, ist die nächste Frage: Wie gehen wir nun vor? Naheliegend (und richtig!) ist es natürlich, sich einen Experten zu holen, der sein Wissen mit der Belegschaft teilt. 

Was sich hier in den letzten Jahren stark etabliert hat, sind ½-Tages-Workshops oder 2-Tages-Seminare. Warum? Weil diese kurzen Interventionen schnell umsetzbar sind und man sich schnelle Erfolge erhofft. 🚤

Das Problem bei solchen Maßnahmen ist, dass die Inhalte meist stark an der Oberfläche bleiben und Einheitslösungen vermittelt werden. Ich bin ganz ehrlich: Die Grundlagen und Ursachen von Stress kennen die meisten inzwischen! 🤷 Social Media sei Dank. 

Dafür braucht es keinen Workshop. Stress am Arbeitsplatz ist komplex und individuell. Und genau deswegen ist es wichtig, mehr in die Tiefe zu gehen und individuelle Strategien zur Bewältigung zu entwickeln.

Was dabei elementar ist: Die Veränderung von Verhaltensweisen erfordert Zeit und das Einüben neuer Gewohnheiten. Das passiert nicht an einem Wochenendseminar - sorry!

Stressbewältigung bedeutet nicht einfach nur irgendwelche Techniken zu kennen und dann anzuwenden. Viel wichtiger ist ein neues Bewusstsein und eine veränderte Haltung. Und die gewinnt man am besten über einen längeren Zeitraum, indem die Dinge sich im Bewusstsein setzen und reifen dürfen. 🌱

Ein einzelnes Seminar kann als Einführung dienen, aber langfristige Veränderungen erfordern mehr Zeit, Engagement und eine nachhaltige Herangehensweise. ♻️

 

Mythos 4: Ein Yogakurs wirds richten.

Eine Zeit lang war es total trendy Yogakurse im Unternehmen anzubieten.

Don’t get me wrong: Ich praktiziere selbst seit 10 Jahren Yoga und halte es für eine sehr guten Hebel zu einem veränderten Stressbewusstsein und Umgang mit den eigenen Grenzen. Daher unterstütze ich Yogaangebote am Arbeitsplatz aus tiefster Überzeugung. 👏

Aber: Ein Yogakurs alleine wird nicht euer Stressproblem am Arbeitsplatz lösen. Es kann eine Dimension in einer umfassenderen Strategie zur Stressreduktion auf körperlicher und regenerativer Ebene sein. Doch Probleme wie hohe Arbeitsbelastung, unklare Rollenerwartungen, Konflikte im Team, Digital Overload oder das Gefühl geringer Selbstwirksamkeit, wird Yoga nicht regeln.

Wichtig ist es, die beiden weiteren zentralen Ebenen der Stressbewältigung zu berücksichtigen:

Die äußeren Stressauslöser und der individuelle Umgang der Mitarbeitenden mit Stress. Nur auf den 3 Ebenen Stressauslöser, innere Prozesse und Regeneration kann eine stressfreiere Arbeitskultur entstehen.

Die Yogaphilosophie kann hierfür durchaus ein Katalysator sein, da sie einen ganzheitlichen Ansatz für das Wohlbefinden verfolgt, der über rein körperliche Aspekte hinausgeht und auch die mentale Klarheit und die emotionale Ausgeglichenheit fördert.

Artikeltipp: 5 versteckte Gründe, warum es uns so schwer fällt, effizient zu arbeiten (und wie wir das ändern).

 

Mythos 5: Stressbewältigung ist nur für psychisch Kranke.

Leider ist es oft noch so, dass man sich erst wirklich mit Stress auseinandersetzt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. 🕳️

Das heißt: Wenn man “Krankheitszeichen” zeigt oder tatsächlich im Burnout oder einer Depression gelandet ist.

Und auch, wenn das Thema Stress - zum Glück - immer mehr Sensibilisierung erfährt, unterschätzen viele noch den weitreichenden Einfluss von Stress auf unsere körperliche und geistige Gesundheit.

Der Fokus liegt bisher weniger auf präventiven Ansätzen, daher wird Stressbewältigung oft erst dann relevant, wenn bereits ernsthafte Probleme auftreten. Doch gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der (chronischer) Stress ein alltäglicher Bestandteil unseres Lebens ist, sollten wir uns mit Stressbewältigung beschäftigen, bevor es zu spät ist. Auch auf der Arbeit!

Durch einen gesunden Umgang mit Stress und Stressbewältigungstechniken können wir unsere Widerstandsfähigkeit stärken und das Risiko von langfristigen gesundheitlichen Problemen verringern.

Und nicht nur das: Achtsamkeit und Meditation haben nachweislich positive Auswirkungen auf unsere körperliche und mentale Gesundheit. Sie können zur Verbesserung unserer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit beitragen. 


Und wäre es nicht schön, wenn wir uns auf der Arbeit wohlfühlen, statt ständig gegen Druck und Herausforderungen ankämpfen zu müssen, bis wir umfallen?  💆

 

Mythos 6: Stress fördert die Produktivität.

Ja und nein! 

In diesem Kontext ist wichtig zu wissen, dass Stress per se erstmal nichts Schlechtes ist. Es gibt evolutionär gesehen einen guten Grund für das Konzept Stress. Denn ein gewisses (kurzfristiges) Maß an Stress versetzt uns in den "Fight-or-Flight"-Modus, was zu einer erhöhten Aufmerksamkeit, gesteigerter Energie und schnelleren Reaktionszeiten führt. ⚡

Und das kann heute auch immer noch nützlich sein: Bei kurzfristigen, dringenden Aufgaben, kann dieser aktivierende Modus produktivitätsfördernd sein, z.B. bei einer wichtigen Kundenpräsentation.

ABER: Chronischer Stress ist etwas ganz anderes! Wenn wir über einen langen Zeitraum stark gestresst sind und keine Erholungsphasen mehr haben, dann beeinträchtigt er langfristig unsere Produktivität. Und das wollen wir doch auf der Arbeit nun wirklich nicht, oder (siehe Punkt 5)?

Stress führt dann nämlich zu verminderter Aufmerksamkeit, Problemlösungsfähigkeiten und Gedächtnisleistung. 🥴

Und darüber hinaus ist chronischer Stress mit einer Vielzahl von “handfesten” gesundheitlichen Problemen verbunden, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen.

Diese Gesundheitsprobleme können die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen und zu erhöhten Fehlzeiten führen.

Kurz kann man also sagen: Kurzfristige Stresspeaks = gut, dauerhafter Stress = gesundheitsschädlich!

Artikeltipp: Stressprävention am Arbeitsplatz: Als Arbeitgeber die richtigen Maßnahmen planen.

 

Mythos 7: Stress gehört bei uns halt zum Job dazu.

Du arbeitest in einer Agentur, Unternehmensberatung oder der IT? Dann hast du diesen Klassiker unter den Sprüchen bestimmt schon mal gehört (oder vielleicht sogar selbst gesagt…).

Tatsächlich habe ich diese Aussage in meiner Agenturvergangenheit sehr oft gehört! Gerne von Chefs, wenn man sich darüber beklagt hat, dass der Workload zu hoch ist oder das Timing für ein wichtiges Projekt zu kurz ist. 

Aber es geht auch anders! Nur weil es viele Jahre irgendwie so war, muss es nicht für immer so weitergehen. Früher galt Stress in bestimmten Berufen noch als Statussymbol: “Wer viel arbeitet, hat Erfolg.” 🏆

Heutzutage ist das Thema Gesundheit und Wohlbefinden im Job aber sehr viel wichtiger geworden. Manche Menschen meiden sogar Jobs, von denen man allgemein weiß, dass sie sehr stressig sind (wie z.B. Gastro und Pflege).

Ich bin der Überzeugung, dass es möglich ist, jeden Job weniger stressig zu gestalten. Es gibt viele Hebel, dies zu erreichen:

  • Durch effektivere Planung,

  • bessere Kommunikation,

  • mehr Flexibilität,

  • besseren Umgang mit digitalen Tools,

  • fokussierteres Arbeiten und

  • auch durch eine gesundheitsbewusstere Kultur, die das Wohlbefinden der Mitarbeiter priorisiert.

Dafür braucht es natürlich den Willen, tradierte Rollenbilder in bestimmten Berufen und Branchen abzulegen, die man jahrelang gepflegt und nie hinterfragt hat. 🎭

 

👉 Als Expertin für Stressmanagement & Mindful Work, biete ich verschiedene Trainings- und Beratungsangebote zum Thema Stressprävention an.

Schau dir >> hier meine Angebote für Unternehmen an. Gerne unterstütze ich euch und euer Team mit Masterclasses, Workshops und Kurse, dabei Stress abzubauen! Ich freue mich von euch zu hören. 🙋🏻‍♀️


 

Über die Autorin:

Ich bin Mell Baron. Als Corporate & Personal Mindfulness Mentorin begleite ich Arbeitgeber & Berufstätige dabei, eine stressfreie und gesunde Lebens- & Arbeitsweise zu entwickeln.

Mehr zu mir

Zurück
Zurück

Die Psychologie hinter Fehlzeiten: Krankenstand senken durch mentale Gesundheitsförderung.

Weiter
Weiter

Stressprävention am Arbeitsplatz: Als Arbeitgeber die richtigen Maßnahmen planen.